Warum unser Zustand beeinflusst, wie wir denken, fühlen, entscheiden und handeln – und weshalb Zustände zur Grundlage meiner Arbeit geworden sind
Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich ich mich in Gesprächen erlebe.
Manchmal kann ich aufmerksam zuhören und andere Perspektiven einnehmen. Ich fühle mich verbunden – ganz bei meinem Gegenüber und ganz bei mir.
Manchmal bin ich angespannt. Achte kritisch auf jedes Wort, jeden Tonfall und jeden Blick. Auf andere Perspektiven reagiere ich eher abweisend als neugierig. Mein Gegenüber bleibt mir fremd.
Und manchmal möchte ich mich nur noch in mein Schneckenhaus zurückziehen.
Mein Wissen, meine Erfahrungen und meine Fähigkeiten sind dieselben. Doch ich fühle mich wie ein anderer Mensch.
Was verändert sich in diesen Momenten?
Wie kann ein Mensch in einer Situation klar denken, sich selbst wahrnehmen und stimmig entscheiden – und in einer anderen nur schwer auf diese Fähigkeiten zugreifen?
Je länger ich mich mit Selbstregulation, Self-Leadership und Imposter-Erleben beschäftige, desto klarer wird für mich:
Wir denken, fühlen und handeln immer aus einem bestimmten Zustand heraus.
Warum Zustände zur Grundlage meiner Arbeit geworden sind
Unser Zustand beeinflusst, wie wir uns selbst, andere Menschen und die Welt um uns herum erleben.
Und er beeinflusst, wie sich unser Körper anfühlt, welche Gefühle auftauchen, welche Gedanken wahrscheinlich werden, welche Entscheidungen sich stimmig anfühlen und welche Möglichkeiten wir sehen.
In einer Situation können wir offen, klar und verbunden sein. In einer anderen können wir angespannt sein und an uns selbst zweifeln. Und in der nächsten können wir uns abgeschnitten von uns selbst und den anderen erleben.
Unsere Zustände beeinflussen, wie wir uns in einem konkreten Moment wahrnehmen und welche Möglichkeiten wir in diesem Moment sehen.
Wenn wir unsere Zustände verstehen, können wir uns selbst und unser Erleben besser verstehen.
In Coachings begegne ich immer wieder Frauen, die ihre fachlichen Fähigkeiten sehr realistisch einschätzen können und in bestimmten Situationen trotzdem stark an sich zweifeln.
Frauen, die genau wissen, was ihnen wichtig ist und wofür sie einstehen möchten und dennoch in schwierigen Gesprächen kaum die richtigen Worte finden.
Frauen, die präsent und mit sich selbst verbunden sind und in anderen Momenten kaum noch spüren, was sie brauchen, wollen oder für richtig halten.
Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten bleiben dieselben. Doch ihr Zustand beeinflusst, wie sie sich selbst erleben, welche Gedanken in den Vordergrund rücken und wie sie in diesen Momenten reagieren.
Den eigenen Zustand zu verstehen, kann deshalb helfen, sich selbst in bestimmten Situationen besser zu verstehen.
Selbstzweifel können in einem angespannten Zustand lauter und glaubwürdiger werden. Unsicherheit kann wachsen, wenn sich unsere Aufmerksamkeit stärker auf mögliche Fehler, Kritik oder Ablehnung richtet. Und die Angst zu versagen kann größer werden, wenn für uns in einer Situation besonders viel auf dem Spiel steht.
Wenn wir den Zustand mit in den Blick nehmen, erscheinen solche Erfahrungen in einem größeren Zusammenhang. Wir können besser verstehen, warum wir in manchen Momenten auf Wissen, Klarheit und Selbstkontakt zugreifen können und warum uns genau das in anderen Momenten schwerer fällt.
Deshalb ist das Wissen über Zustände heute eine wichtige Grundlage meiner Arbeit mit Selbstregulation, Self-Leadership und Imposter-Syndrom.
Wenn du dich selbst und dein Erleben besser verstehen möchtest, kann es sich lohnen, dich intensiver mit deinen Zuständen zu beschäftigen. Aus diesem Grund habe ich die Blogserie „Zustände verstehen“ geschrieben.
Blogserie „Zustände verstehen“
In dieser Blogserie geht es darum, besser zu verstehen, wie Zustände unser Erleben, Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln prägen.
Die einzelnen Artikel greifen dabei unterschiedliche Fragen auf.
Zustände verstehen
Was verändert sich in uns, wenn wir uns plötzlich wie ein anderer Mensch fühlen?
Teil 2: Wozu sind Zustände da?
Wie richten Zustände unsere Aufmerksamkeit, Energie, Wahrnehmung und unser Verhalten aus?
Teil 3: Warum belastende Zustände immer wieder entstehen
Welche inneren und äußeren Bedingungen lassen Selbstzweifel, Grübeln oder Anspannung immer wiederkehren?
Teil 4: Wenn wir Zustände nicht erleben wollen
Was tun wir, wenn sich ein Zustand schwer, unangenehm oder überwältigend anfühlt?
Schutzstrategien verstehen
Teil 5: Was Schutzstrategien mit Zuständen zu tun haben
Wie werden vertraute Wege, einen Zustand zu regulieren, zu wiederkehrenden Schutzstrategien?
Teil 6: Warum wir an Schutzstrategien festhalten, obwohl sie uns nicht guttun
Welche schützende Funktion erfüllen diese Strategien, obwohl sie viel Kraft kosten?
Einfluss und Regulation verstehen
Teil 7: Wie können wir Zustände beeinflussen, wenn sie autonom entstehen?
Auf welche Bedingungen können wir Einfluss nehmen, wenn sich Zustände selbstständig organisieren?
Teil 8: Woran sich Regulation zwischen Zuständen zeigt – und was Selbstregulation bedeutet
Wie zeigt sich Beweglichkeit zwischen Zuständen und welchen Beitrag können wir selbst dazu leisten?
Zustände, Selbstführung und Selbstbild
Teil 9: Zustände und Self-Leadership
Wie prägt unser Zustand den Kontakt zu uns selbst, unsere Entscheidungen und unsere Selbstführung?
Teil 10: Zustände und Imposter-Syndrom
Warum wirken Selbstzweifel in manchen Zuständen besonders glaubwürdig?
Teil 11: Wenn Zustände nur einen Teil unserer Wahrheit erzählen
Was verändert sich, wenn wir einen Zustand als gegenwärtige Erfahrung verstehen und unser Selbstbild weiter fassen?
Und wenn du jetzt wissen möchtest, was Zustände sind, dann kannst du hier weiterlesen: Teil 1: Was sind Zustände?












